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Geschichte einer
vulkanischen Familie

Alte Wurzeln

Die Geschichte der Familie Russo Morosoli stellt ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte von Catania und des Ätna dar.

Eine Erzählung, die bis ins Jahr 1550 zurückreicht, mit Don Vincenzo Russo, königlicher Notar, angesehener und wohlhabender Bürger der Gemeinde Paternò.

Im Laufe der Jahrhunderte folgten königliche Notare, Juristen, Rechtsanwälte und Geistliche aus Paternò – jedoch keine Unternehmer.

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Der Wendepunkt

Der Wendepunkt kam 1865 mit Seiner Exzellenz Gioacchino Russo, einem angesehenen Wissenschaftler von internationalem Rang, der die Ämter des Staatssekretärs, Generals der Marine, Senators des Königreichs, Direktors des Arsenals von Venedig sowie nationalen Präsidenten der Ingenieurkammer innehatte.

Er war Autor des ersten italienischen Lehrwerks zur Schiffsarchitektur, das noch heute in militärischen Akademien verwendet wird.

Die Ausbildung des jungen Gioacchino wurde der strengen Aufsicht seines Onkels (ebenfalls Gioacchino Russo), Domherr der Kathedrale von Catania, anvertraut, der sein Talent früh erkannte. Seine Erfindungen verschafften ihm große Beachtung in den Chroniken seiner Zeit.

Seine außergewöhnliche Intelligenz führte zur Entwicklung der ersten Farbfotografie, des Periskops für U-Boote, des Navipendels sowie eines Beckens mit elastischen Wänden zur maßstabsgetreuen Nachbildung von Wellenbewegungen (ein Instrument, das es ermöglichte, das Verhalten eines Schiffes in den Wellen zu testen, ohne es bauen zu müssen – ein Ergebnis, das ihm den Sieg beim Internationalen Wettbewerb in London einbrachte).

Diese Patente brachten der Familie großes Ansehen, sowohl in Bezug auf Prestige als auch auf wirtschaftlichen Erfolg. Für seine Verdienste wurde er vom König mit dem Titel eines Großkreuzritters, ausgezeichnet mit dem Großkordon des Ordens der Krone von Italien, sowie mit dem Titel eines Großoffiziers des Ordens der Heiligen Mauritius und Lazarus geehrt.

Die Städte Catania und Rom erinnern mit einer ihm gewidmeten Straße an ihn; Paternò mit einer nach ihm benannten Schule.

Die Verbindung mit der Familie Morosoli

Im Jahr 1899 heiratete Gioacchino Russo Amalia Morosoli.

Die Familie Morosoli, aus dem Patriziat von Lopagno und Cagiallo, war ein altes Schweizer Adelsgeschlecht aus dem Kanton Tessin. Mit einer soliden industriellen Tradition war sie im Tabakhandel tätig, betrieb eine Zigarren- und Feuerzeugfabrik sowie ein Unternehmen zur Herstellung von Straßenschutzsystemen.

Sie kamen aus geschäftlichen Gründen nach Catania und ließen sich dort dauerhaft nieder, nachdem Carlo Enrico Morosoli Donna Maria heiratete, die Tochter von Don Francesco Imbert Paternò Gioeni, Herzog von Furnari und Baron von Ficarazzi, sowie von Donna Anna Rapisardi aus dem Hause der Barone von Sant’Antonio, Adlige der Stadt am Ätna. In Catania ließen sie nach einem Entwurf des Architekten Carlo Sada einen Palazzo und eine Villa errichten.

Es waren die Morosoli, die die Patente der Erfindungen von Gioacchino Russo wirtschaftlich nutzten und durch eine Verwaltungsgesellschaft bedeutende Gewinne erzielten. Sie investierten in zahlreiche Bereiche, darunter die Automobil- und Versicherungsbranche.

Die Söhne von Don Carlo Enrico und Donna Maria, Ernesto und Augusto, wurden zu einem Bezugspunkt in Catania in diesen Geschäftsfeldern. Ihr Neffe, Gioacchino Russo Morosoli, war stets von seinen Onkeln und der Welt der Luxusautomobile fasziniert. Unentschlossen, ob er mit seinem Vater Francesco im Textilsektor arbeiten oder sich seinen Onkeln anschließen sollte, entschied er sich schließlich für Letzteres – eineiige Zwillinge, die Vitaliano Brancati im Roman „Don Giovanni in Sicilia“ inspirierten, aus dem die Bezeichnung „Löwen hinter Gittern“ für die von ihnen inspirierten Figuren stammt.

Als überzeugte Junggesellen und Liebhaber des guten Lebens teilten sie ihre Zeit zwischen Arbeit, Gesellschaftsleben und heiterer Lebensart. Ihre Geschichten werden durch Anekdoten überliefert, die sie von realen Personen zu literarischen Figuren werden ließen.

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Der Gründer der Gruppe

Gioacchino Russo Morosoli, geboren 1941, schloss zunächst ein Studium der Wirtschafts- und Handelswissenschaften ab und später eines der Tourismuswissenschaften.

Die Kunst des Automobilverkaufs erlernte er bei seinem Onkel Augusto und gehörte zu den Ersten, die erkannten, dass sich der bis dahin von Fiat dominierte Markt mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der 1960er Jahre auch für ausländische Marken öffnen würde.

Mit nur 19 Jahren wurde er Peugeot-Händler für ganz Ostsizilien. Von dort aus begann ein stetiges Wachstum: Im Laufe der Zeit übernahm er Renault, Hyundai, Rover, Honda, Mercedes, Smart, Chrysler, Jeep und Dodge und wurde schließlich zu einem der bedeutendsten Automobilhändler Italiens.

Er war zudem im Versicherungssektor tätig als Inhaber von Lloyd Internazionale, später Milano Assicurazioni – Generalagentur Catania, und vertrat die Goglio aus Mailand, einen weltweit führenden Hersteller von Maschinen für die Verpackungsindustrie, für Mittel- und Süditalien.

Auch im Immobilienbereich bewies er Geschick und baute im Laufe der Jahre ein beachtliches Vermögen auf.

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Die Anfänge der Seilbahn

Einer der Inspektoren von Gioacchinos Autohäusern war der Schwiegersohn des Turiner Ingenieurs Dino Lora Totino – Graf von Cervinia, Seilbahnexperte und bedeutender Unternehmer, der die Realisierung des Mont-Blanc-Tunnels ermöglichte, die Seilbahn von Cervinia baute, den Flughafen Caselle entwarf und von 1953 bis 1955 Präsident des Torino Calcio im Leitungskomitee war.

Es war der Graf, der die Idee hatte, eine Seilbahn am Ätna zu errichten. Gegen Ende der 1960er Jahre suchte er einen lokalen Unternehmer, dem er die Leitung anvertrauen konnte, und wandte sich an seinen Schwiegersohn, um dessen Rat einzuholen. So empfahl der Inspektor, der den jungen Gioacchino aus seiner Tätigkeit in den Autohäusern gut kannte, ihn dem Grafen als geeigneten Kandidaten.

Das Unternehmen befand sich jedoch in einer schwierigen Phase und stand zweimal kurz vor dem Konkurs. Der Graf entschied daher, die Geschäftsführung Gioacchino Russo Morosoli zu übertragen.

Gioacchino führte sofort neue wirtschaftliche und kommerzielle Strategien ein, die zunächst nicht die Zustimmung der Töchter des Grafen fanden, die ihrem in Turin verbliebenen Vater ihre Bedenken mitteilten.

Der Graf bekräftigte jedoch sein Vertrauen in den jungen Geschäftsführer und bestand darauf, ihn handeln zu lassen. Eine Entscheidung, die sich als richtig erwies, da das folgende Geschäftsjahr Gewinne verzeichnete.

Parallel dazu erwarb Giogiò – wie ihn seine Freunde nannten – die „Star“, das Unternehmen, das die Ausflüge am Ätna auf der Seite von Piano Provenzana organisierte und heute das Skigebiet betreibt.

Die Übernahme des Unternehmens

Begünstigt durch die räumliche Distanz des Grafen und das Vertrauen, das er auch bei den Mitarbeitern gewonnen hatte, die in ihm die Zukunft des Unternehmens sahen, gelang es Giogiò, die Töchter des Grafen davon zu überzeugen, ihm 100 % des Unternehmens zu übertragen.

Es waren nicht immer einfache Jahre: Während seiner Hochzeitsreise im Jahr 1971 zerstörte ein heftiger Vulkanausbruch die Anlage. Und dies geschah im Laufe der Jahre noch fünf weitere Male.

Giogiò, der dem Vulkan zutiefst verbunden war, baute stets mit eigenen Mitteln wieder auf, da keine Versicherungsgesellschaft bereit war, das Risiko zu übernehmen. Im Jahr 2001, nach einer weiteren Zerstörung, leitete er sofort den Wiederaufbau ein und nahm dafür ein bedeutendes Bankdarlehen auf. Die Arbeiten gingen sehr schnell voran, und 2002 war die neue Seilbahn fertiggestellt. Eine Woche vor der Einweihung jedoch wurde sie erneut durch einen Lavastrom zerstört. Giogiò ließ sich nicht entmutigen: Er kehrte zur Bank zurück, erhielt ein weiteres Darlehen und baute erneut auf – und trug schließlich zwei Hypotheken auf dasselbe Objekt.

Es wird geschätzt, dass die Familie Russo Morosoli im Laufe der Jahre rund hundert Millionen Euro in die Seilbahn investiert hat, die heute durch Kooperationen mit Reiseveranstaltern, Restaurants, Hotels, B&Bs, Souvenirgeschäften und Verleihern von Skiausrüstung eine bedeutende wirtschaftliche Wertschöpfung erzeugt und direkt sowie indirekt mehr als 500 Familien Beschäftigung sichert.

Eine große Genugtuung, wenn man bedenkt, dass Giogiò anfangs für verrückt gehalten wurde, weil er auf diesen Bereich setzte: Vor dem Bau der Seilbahn gab es nur sehr wenige Touristen, der Aufstieg erfolgte auf dem Rücken von Maultieren und die Führer waren die Hirten der Gegend. Der Ätna war faktisch noch kein strukturiertes Reiseziel. Er wurde sogar verspottet, weil er beträchtliche Summen „unter der Lava“ investierte – mit allen damit verbundenen Risiken.

Dank Giogiòs Beharrlichkeit und den Opfern eines ganzen Lebens können heute Hunderttausende von Besuchern den Seilbahnservice in völliger Sicherheit nutzen.

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Die Krise, der Verlust und der Generationenwechsel

Die weltweite Krise der Automobilbranche im Jahr 2012 traf auch die Interessen von Gioacchino Russo Morosoli schwer und setzte einen bedeutenden Teil der Gruppe unter Druck.

Im darauffolgenden Jahr, 2013, verschärfte sein plötzlicher Tod infolge eines Verkehrsunfalls eine bereits komplexe Situation zusätzlich. Die Verantwortung ging auf seine Kinder Francesco und Fausta über, die sich mit einer stark angeschlagenen Unternehmensstruktur konfrontiert sahen.

Die Mercedes- und Smart-Autohäuser, die einen Jahresumsatz von rund 65 Millionen Euro erwirtschafteten, gerieten in ein Insolvenzverfahren, und die Auswirkungen drohten die gesamte Gruppe zu erfassen.

Die alleinige Geschäftsführung übernahm Francesco, damals 34 Jahre alt, mit einem Unternehmen am Rande des Bankrotts.

Die Funivia dell’Etna, seit jeher im Fokus der Medien, ist ein Unternehmen, das im Laufe der Zeit zwangsläufig auch Neid und Spannungen angezogen hat. In den Momenten größter Verwundbarkeit blieben Angriffe und Druck nicht aus: aus der Politik, von einigen lokalen Unternehmern, durch Dynamiken im Bankensektor bis hin zu internen Vorgängen innerhalb der Gruppe, darunter das Handeln eines Direktors, enger Mitarbeiter von Francesco, der versuchte, strategische Vermögenswerte der Funivia an sich zu bringen.

Trotz alledem gelang es Francesco gemeinsam mit seinem Team, das Unternehmen zu sichern, die traditionellen Geschäftsbereiche zu konsolidieren und die Gruppe mit neuen unternehmerischen Initiativen neu auszurichten, wobei die Arbeitsplätze erhalten blieben.

Funivia dell’Etna heute

Dank des beständigen Engagements der Familie Russo Morosoli kann heute jeder, der die Gipfelkrater erreichen möchte, dies in völliger Sicherheit tun und dabei einen der außergewöhnlichsten Orte des Mittelmeerraums entdecken.

Die Bewahrung und der Schutz des Territoriums waren stets die Mission der Familie Russo Morosoli, verbunden mit dem Anspruch, den Besuchern ein unvergessliches Erlebnis zu bieten und maßgeblich zur wissenschaftlichen Aufwertung des Ortes sowie zur Anerkennung des Ätna als UNESCO-Weltnaturerbe beizutragen.

Heute stellt die von Francesco Russo Morosoli geführte Gruppe mit der von ihm entschlossen realisierten neuen Funivia dell’Etna eine der bedeutendsten unternehmerischen Realitäten Siziliens dar.

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